* Startseite     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt     * Abonnieren



* mehr
    
     MON CINEMA
    
     bond
    
    
    








               

                  Warten, bis es dunkel wird

                    -Overtüre: Japanisches Affentheater-

LICHTSPIELE  "SCHWARZER BÄR"

Sonntag, 14 Uhr, Jugendvorstellung  

KING KONG - FRANKENSTEINS SOHN

So, oder so ähnlich...oder auch ganz anders, konnte man es 1970, an einem Freitag, in der Zeitung lesen. Ich saß also, an besagtem Sonntag, zusammen mit einem Freund, in der ersten Reihe. Dann ging das Licht aus, ein Gong war zu hören, und der Vorhang  gab den Blick auf die Leinwand frei.

Das bunte Emblem des CONSTANTIN-Filmverleihs, untermalt von einer donnernden Fanfare, kündigte das Ereignis an. Ich war so aufgeregt, denn das war mein erster Kinobesuch. Zehn Lenze zählte ich, und meine kindliche Fantasie erkannte, natürlich, nicht die einfache Struktur der Geschichte, die billigen Tricks. Ich hatte keine Ahnung davon, daß dieser Typ im Gorillakostüm eigentlich ein banaler Trash-Affe war - ein Produkt der japanischen TOHO-PRODUCTION, die 1955  ihr künftiges "Hausmonster" GODZILLA in die Kinos gebracht hatte. Das nun eben Toho u.a. auch für AKIRA KUROSAWA'S  Meisterwerk  DIE SIEBEN SAMURAI verantwortlich zeichnen sollte, entging mir damals, selbstredend, völlig.

Fortan also, sollte der Name TOHO für mich "Kaju EIGA" sein: Monstershow mit Stuntmen in Gummianzügen, die durch eine Spielzeuglandschaft tobten. Aber, da war noch mehr....Ich erkannte meine Leidenschaft für das Kino. Diese Bilderwelt ließ mich nie wieder los..

                                -Wunderbare Abenteuer-                                 

In meiner Heimatstadt Aurich(Osfrsld.) gab es in den siebziger Jahren drei grosse Kinos. Gleich neben dem "SCHWARZEN BÄREN"  fand sich das "CAPITOL", und weiter  entfernt, die "AURICHER LICHTSPIELE".  Wir hatten also Auswahl, die Qual der Wahl. So kam es, dass mein Kumpel und ich, irgendwann 1972/73, auf einen "Lausbubenfilm" im "SCHWARZEN BÄREN" verzichteten und stattdessen den "AURICHER LICHTSPIELEN" Vorzug gaben. Dort lief ein JERRY COTTON-Film, deutscher Klein-Fritzchen-Bond. Zudem war die Sache auch noch preiswerter.

Der Vorfilm versprach Gruselstimmung, denn "DER HUND VON BLACKWOODCASTLE" wurde angekündigt.  Einer von zahlreichen EDGAR WALLACE-Schinken kam auf uns zu. Nun wussten wir also, wohin es uns an einem der kommenden Sonntage treiben würde. Hin und wieder konnten wir denn auch "HERKULES" in ein paar italienischen Billigmovies bei seinen "unglaublichen" Abenteuern bestaunen.Dann war da ja auch noch unser Gummifreund "GODZILLA", der, zusammen mit seinen Monsterkollegen, die Jugendvorstellungen füllte. So ging das immer weiter. BUD SPENCER/TERENCE HILL, LOUIS DE FUNES oder WALT DISNEY. Die EASTERNWELLE hielt ab 1973 ihren fragwürdigen Einzug mit dem Kracher "DAS SCHWERT DES GELBEN TIGERS". Hahnebüchener Unsinn, aus dem nur der wunderbare BRUCE LEE   hervortrat. Man musste dieses akrobatische Genie gesehen haben.

Nun denn, wir wurden älter und etwas anspruchsvoller. Ich denke da unter anderem an MILOS FORMAN'S  "EINER FLOG ÜBER DAS KUCKUCKSNEST", in dem mich JACK NICHOlSON beeindruckte.

                                -Cinema Brachialis-

Das Fernsehen, Pantoffelkino und Konkurrenz, sorgte in den siebziger Jahren dafür, das die Kinos fast leer blieben. Was lag da näher, als dem Publikum etwas völlig Neues zu bieten. Superlative, aufwendiges Brimborium und das Spiel mit der Ängsten der Zuschauer. Was das T.V. nicht durfte, dies war auf der Leinwand nun möglich. Natürlich waren ich und mein Kumpel wieder dabei.  Als erstes erschreckte uns das Teufelsaustreibermovie "DER EXORZIST", ein Kotzfilm, der mich nächtelang wach hielt. Noch zwanzig Jahre später fand ich nicht den Mut, das Ding in einer Videothek auszuleihen.

Die KATASTROPHENWELLE erreichte uns bereits in der nächsten 70er Schockdekade. "ERDBEBEN" sollte das Geschehen mit Hilfe des neuartigen SENSORROUND-Verfahrens "fühlbar" machen. In Aurich bekam man davon überhaupt nichts mit, weil unsere Theater die Zeichen der Zeit verschliefen. Aber dieser Effekte war eh nur von kurzer Dauer.

IRWIN ALLEN, Produzent der Fernsehserie "TIME TUNNEL", ließ als als nächstes einen Luxusdampfer absaufen. "DIE HÖLLENFAHRT DER POSEIDON" durfte ich später, neubetitelt als "DAS POSEIDON INFERNO", in Wiederaufführung  miterleben. Weil zuvor Allens feuerbrünstiges Spektakel "FLAMMENDES INFERNO" über uns herrein brach, war der Grund für die Neubetitelung offensichtlich.

Das Geschäft mit der (Kino)Angst ist ja bekanntlich sehr lukrativ, und so schwamm diesselbe auch prompt wieder in unser CAPITOL. "DER WEISSE HAI", SPIELBERG'S erster Megafilm kassierte ordentlich ab, auch bei uns. Die Zeiten waren jetzt wohl endgültig vorbei, da wir uns mit Billig-Fastfootfilmen begnügen durften. Und was mir nun fehlte, das war der eindeutige Charme, den Godzi, Herkules und Co auf mich hatten wirken lassen. Das neue Blockbuster-Kino hatte kein "Herz" dafür.

                                  -Andere Zeiten-

Es kam, was kommen musste, das grosse "Kinosterben". Der "SCHWARZE BÄR" ging dahin, gefolgt von den "AURICHER LICHTSPIELEN". Einzig das "CAPITOL" durfte, wie "Phoenix aus der Asche", noch einmal als CITY-KINO neu erstehen. Damit war dann, ca. 1984, auch bald Schluß. Unkomfortables Kastenbillig-Kino dominierte, bis in die frühen Neunziger, nun auch in Aurich. Die Lage verbesserte später zusehends,wenn auch,bis heute, nicht ganz zufriedenstellend.Aber das ist eine andere Geschichte.....gelle!

GEORGE LUCAS und STEVEN SPIELBERG revolutionierten ab 1977 den Film mit effektlastiger SCIENCE FICTION. "STAR WARS" verarschte mit einer dünnen Storyline, und "UNHEIMLICHE BEGEGNUNG DER 3. ART" sollte zum UFO-GLAUBEN bekehren. Soetwas hat uns damals, selbtredend, auch fansziniert. Und der HORRORFILM? GEORGE ROMEROS "ZOMBIE" und diverse ITALIENISCHE AUFGÜSSE, waren nur noch garstige SPLATTERORGIEN. Alleine JOHN CARPENTER inszenierte seinen "HALLOWEEN" eher blutleer, dafür allerdings mit nachhaltigem Spannungsbogen. Von jetzt an hieß es allerdings nur noch weniger Handlung, mehr Eingeweide und literweise Blut.Das machte mir schon bald keinen Spass mehr. Ich wollte mich gruseln, aber mir  ging andauernder Brechreiz völlig ab.

Komödien, Filme wirklich zum Ablachen, gab es wohl auch. Aber ein Star wie PETER SELLERS brachte sich mit den übersteigerten PINK PANTER Revivals bald ins Aus. LOUIS DE FUNES war auf Dauer nicht mehr auszuhalten. Das war nichts mehr für's Zwerchfell, soetwas konnte nur noch nerven. Okay, die FRANZOSEN hatten ja noch PIERRE RICHARD, die ITALIENER  ADRIANO CELENTANO. Aber das Spiel solcher Clowns war ja auch schon bald überholt. Und die Amis....? Jo, die konnten doch tatsächlich "echte Perlen" vorweisen. WALTER MATHAU und JACK LEMON konnten hintergründig, bisweilen tragisch-komisch, unterhalten. "EIN SELTSAMES  PAAR" zementierte ihre Partnerschaft 1968 endgültig, bis in die Neunziger hinein. Beider Tod hinterließ eine ähnliche Lücke wie etwas das Ende von LAUREL UND HARDY (Dick u. Doof/dtsch).

Und der DEUTSCHE FILM? In früheren Zeiten hatten wir es nicht über uns gebracht,irgendeinen  LAUSBUBEN-PAUKERFILM anzusehen.   Und jetzt, "DIE VERLORENE EHRE DER KATHARINA BLUM"? Nöö, das war einfach Terroristenhatz und nannte sich großartig "NEUER DEUTSCHER FILM". Zudem waren diese Streifen nur noch mit Hilfe des Fernsehens  zu machen. Also, aus und vorbei? Auch nicht ganz richtig, denn in den Achtzigern wurde es doch wieder, allerdings immer noch mit Beistand der Glotzkiste. "DAS BOOT", "DIE UNENDLICHE  GESCHICHTE", ganz auf HOLLYWOOD getrimmt und streckenweise ziemlich öde. Dazwischen Entgleisungen mit THOMAS GOTTSCHALK und MIKE KRÜGER. "DIE SUPERNASEN", "TRABI GOES TO HOLLYWOOD". Das war nur ein Rückfall in alte  PAUKERFILMZEITEN, zu "Tode gerittene Einfalt".  Und ein überzogener HALLERVORDEN, seine politischen KABARETT-GLANZZEITEN hinter sich lassend, das war nur noch  Langeweile.OTTO verlegte seine Bühne   einfach nur in die Filmtheater, um sich bis zum Exzess zu   wiederholen. Irgendwann lehnte ich hier dankend ab.

Hollywood war nicht alles, aber Megamovie war halt angesagt. Ernsthaftere Themen, vielleicht sogar mit Aussage, servierte man so zwischendurch, Mr. Spielbergs "DIE FARBE LILIA" oder  in den 90ern "SCHINDLERS LISTE"  In Deutschland gab es tatsächlich zweimal den Versuch mit der Geschichte um "DIE WEISSE ROSE" deutsche Vergangenheit zu bewältigen. Immerhin  fand sich  da auch noch R.W. FASSBINDER, das "ENFANT TERRIBLE" des Teutonenkinos, aber  seine Streifen blieben  einfach zu schwerfällig. Deutsche Beiträge waren einfach ohne Belang, weil bei uns niemand auch nur eine Ahnung hatte, wie kassenträchtige Unterhaltung aussehen musste.  Und das ist bis heute der Fall.

Ach ja, seit 1962 heisst es: JAMES BOND WILL RETURN. Ich hatte sie bisher alle gesehen und erkannte, daß der olle James immer wieder das gleiche Abenteuer durchmachen mußte. Natürlich befand sich 007 immer "IN TÖDLICHER MISSION". Ich war einfach nur scharf auf den Soundtrack von Stammkomponist JOHN BARRY und dessen Nachfolgern MICHAEL KAMEN, BILL CONTI oder, eben jetzt, DAVID ARNOLD. Ansonsten, "Kalter Kaffee". 2006 erfuhr diese Figur allerdings einen radikale Veränderung.

Meister Spielberg, der wohl gerne einmal dem Agenten "auf die Sprünge" geholfen hätte, durfte dann, dem LUCAS sei Dank, HARRISON FORD als "INDIANA JONES" durch bisher 3 Abenteuer jagen. Ein neuer Aufguss stand jetzt, im Jahre 2008 an. Und wieder regierten die Special Effects, zugunsten einer dürren Geschichte, deren einziger Pluspunkt JOHN WILLIAMS hiess, Lieblingskomponist von SPIELBERG und LUCAS. Und Williams brachte uns mit seinen Tönen ja schon 1983, bei E.T., zum Heulen.

Ganz kurz nur sollte man solche "Erscheinungen" wie SYLVESTER STALLONE" oder "ARNIE SCHWARZENEGGER" erwähnen. Wenn der Fascho-Einzelkämpfer RAMBO durch den Dschungel kroch und, so nebenbei, amerikanische Geschichte ins Absurde führte, blieb kein Auge trocken. Und der italienische Hengst war auch sein eigener Fan, und Arnie  sein grösster Konkurrent. Aber während der Österreicher da eher wie ein grosses Kind durch die Szenerie latschte (I moch a riesn Äktschnfülm...O-Ton), nahm Sylvester sich in seiner Rolle bierernst...(ich will Ehre und Anstand in den USA wieder herstellen...O-Ton).Zu ihnen gesellte sich eines Tages Ex-Karateweltmeister CHUCK NORRIS. Chucky hatte schon bessere Tage gesehen, immerhin durfte er eine Rolle neben dem legendären BRUCE LEE spielen. Nun aber betrat der Typ die ausgetretenen Pfade der Kollegen. Seine Beiträge zum inzwischen arg strapazierten Genre waren, wenn überhaupt möglich, noch dämlicher."INVASION USA" z.B. ließ ihn, stereotyp, gegen die "bösen Russen" antreten. Da fragt nicht einmal mehr der "kleine Muck". Und ich, der doch nur endlich einmal wieder ins Kino gehen wollte, blieb daheim.

Dennoch gab es einige "Lichtblicke", und da lohnte es sich tatsächlich, die "vier Wände" zu verlassen.DUSTIN HOFFMAN war in RAINMAN ein Authist und stahl seinem Kollegen TOM CRUISE die Show. Ich fand diese Geschichte einfach wunderbar. TOM HANKS, einer der wenigen Schauspieler, die mich alleine durch ihre Präsenz ins Kino locken, rührte mich zutiefst im Aidsdrama PHILADELPHIA. Als FORREST GUMP zeigte  er sich wieder  wandlungsfähig. Und CASTAWAY, der Streifen, den er, auf einsamer Insel, alleine, bewältigte, sei hier ebenfalls erwähnt.

MEL GIBSON brachte mir wieder Spass am ACTIONFILM. Die vierteilige LETHAL WEAPON-Reihe führte ihn mit DANNY GLOVER  zusammen. So waren GIBSON, als "Suizidbulle" und GLOVER als überforderter Partner  "köstlich". Alles daran stimmte. Hinzu kam der turbogeile Soundtrack vom, inzwischen verstorbenen, MICHEAL KAMEN. And so on....

                                 -Schöne neue Digitalwelt-

Das Kino hat sich zusehends verändert, digitale Techniken erledigen von jetzt an das Filmgeschäft. Schade eigentlich, denn damit verlieren die bewegten Bilder  ihren Reiz, ihre "Unschuld". Es gibt keine Kulisse, die nicht im Computer erzeugt werden kann. Ja sogar Statistenrollen werden generiert. Ist das noch Kintopp?. Sicher ist, dass ich nicht mehr so gerne ins Kino gehe wie ich es früher tat. Zu perfekt, ja nahzu steril, erscheint mir diese schöne neue Filmwelt.

Tatsache ist aber auch, dass viele Produktionen ohne das neue Hilfsmittel niemals hätten entstehen können. Peter Jackson hat dies bewiesen, als er die, als unverfilmbar geltende, Romantriologie DER HERR DER RINGE  endlich realisieren konnte.  Und KING KONG wäre wohl sein unerfüllbarer Traum geblieben. GEORGE LUCAS konnte seine STAR WARS-PREQUELTRIOLOGIE  ausschließlich im Studio drehen.

Die Filmemacher sind also jetzt in der Lage, ihre Visionen endlich zu verwirklichen, und das ist nicht immer ein Vorteil. Bestes Beispiel  ist da wohl der letzte BROSNAN-BOND - "STIRB AN EINEM ANDEREN TAG". oo7 im unsichtbaren Auto oder als Supersurfer auf meterhohen Computerwellen, soetwas war zuviel ges Guten.

Der HORRORFILM nutzt dieses "Geschenk" auf unsägliche Weise. Der digitale Effect zerlegt einen Menschen recht blutig in seine Bestandteile. Wahre Schlachtfeste als "FINAL DESTINATION" u.a. zeigen sich dem Betrachter. Klassischer Grusel ist endgültig passe, was zählt ist ein unempfindlicher Magen...schade aber auch.

                                -QUO VADIS, KINO?-

Wieweit soll es mit diesem, einst, kulturellen Ereignis dann noch gehen? In den nächsten Jahren wird sich in dieser Hinsicht immer wieder etwas verändern. Das Kino hat, in seiner heutigen Form, ausgedient. Es erzählt keine richtigen Geschichten mehr, sondern zwängt sie notdürftig in eine Parade der Spezialeffekte. Ein wenig Hoffnung bleibt dennoch, weil dem Publikum der "Hochglanzcharakter" computergestylter Movies schon bald auf die Nerven gehen wird. "STIRB LANGSAM 4" oder auch die "JASON BOURNE"-Reihe zeigen bereits wieder "Handmade-Action".. Andere Beispiele folgen..

Zukünftig werden auch in den Lichtspieltheatern verstärkt digitale Techniken zum Einsatz kommen. Der herkömmliche Filmprojektor erfüllt seinen Zweck nicht mehr, die Festplatte hält nun auch dort Einzug. Mit meinem "Bastelkino" ist es  endgültig vorbei, das Kinofeeling vergangener Zeiten dahin. Adieu GOTZI...Farewell, Herkules, alter Götterbote. Verdammt schade um euch!

                                     -Zuletzt-

Selbstverständlich besitze ich einen DVD-Player. An irgendeinem Abend werde ich mir zu Hause einen Film ansehen. Ich bin nun einmal Nostalgiker, und darum ist der Streifen ein "alter Bekannter": "KING KONG, FRANKENSTEINS SOHN". Und dann denke ich zurück, an diesen Sonntag des Jahres 1970. Ich höre sie schon, die Fanfare vom CONSTANTIN-Filmverleih.....

                                            LICHT AUS!!!!!

                           




Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung